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Heizung für den Wanderer

Heizung im Wanderer

Selbstverständlich bekommt der Wanderer für die kalten Tage auch eine eigene Heizung spendiert. Um die Anforderungen aus meinem Lastenheft zu erfüllen, mußten auch hier wieder einige Grundsatzentscheidungen getroffen werden:

Diesel- oder Gasheizung

Für eine Gasheizung sprechen eine Reihe von Argumenten

  • sie ist im Betrieb sehr "sauber" - das macht sie einmal wartungsarm und weiterhin
  • auch deutlich besser für die Umwelt
  • sehr gut ist auch ihr Verhalten in großen Höhen, also im Gebirge
  • der einfache Aufbau des gesamten Heizkreislaufs verspricht ebenfalls geringere Anfälligkeit
  • last but not least ist eine Gasheizungssystem relativ preiswert

Des einen Freud ist des anderen Leid! Die Vorteile der Gasheizung sind damit auch die gravierenden Nachteile der Dieselheizung!

  • sie verrußt beim Verbrennen von Diesel
  • ist durch Geruch, Ruß und Stickoxide nachteiliger für die Umwelt
  • sie hat ab 1.500 m Höhe durch zu fettes Gemisch erhebliche Leistungsprobleme, die nur durch Einsatz eines sog. "Höhenkits", also einer entsprechend magerer eingestellten, 2. Pumpe, halbwegs kompensiert werden können
  • der gesamte Aufbau des Heizkreislaufs ist sehr aufwendig und damit
  • auch deutlich teurer als eine Gasheizung

Die Entscheidung scheint also auf der Hand zu liegen, da anscheinend alle Vorteile bei der Gasheizung liegen ... jetzt kommt das Aber:

  • Gas ist eine kostbare Ressource! Sicher nicht in Europa und Nordamerika, aber selbst in Ländern mit guter Infrastruktur sind die Gasflaschen mit ihrer beschränkten Kapazität gem. den Murphy`schen Gesetzen immer dann leer, wenn man`s am wenigsten gebrauchen kann: Am frühen Morgen, wenn man sich vor Kälte kaum aus dem molligen Bett traut, will die Heizung wg. Gasmangel partout nicht anspringen und die nächste Stadt ist irgendwo, jedenfalls weit weg ...
  • Diesel dagegen ist weltweit und nahezu uneingeschränkt verfügbar ... und im Wanderer eigentlich immer vorhanden!
  • Gasflaschen und ihre Anschlüsse sind nicht genormt! Wahrscheinlich gibt es weltweit hunderte von verschiedenen Flaschengrößen und mindestens genauso viele Anschlüsse ...

Wieder einmal lege ich 15 Jahre Erfahrung mit diversen WoMo`s in die Waagschale. Entscheidend für mich ist, daß selbst eine große, deutsche 11 kg Flasche bei intensivem Heizen manchmal schon nach läppischen 3 bis 4 Tagen aufgebraucht ist! Das ist eindeutig zu wenig!
Eine Alternative wäre ein Gastank. Der ist jedoch sündhaft teuer, auch nicht immer und überall so leicht zu befüllen wie ein Dieseltank und frisst zudem ein ziemlich großes Volumen, das zusätzlich irgendwo am Wanderer verfügbar sein müßte! .. und das ist definitiv nicht der Fall!

Die Entscheidung also: Der Wanderer bekommt trotz der systemimmanenten Nachteile eine Dieselheizung!

Luft- oder Wasserheizung

Die nächste Frage: Luft- oder Wasser-Heizung? Spätestens bei dieser Frage betritt man wieder den Philosophie- und/oder Glaubensbereich, in dem von den Meinungsträgern erbittert um die Vorherrschaft gestritten wird. Auch hier sind meine persönlichen Erfahrungen ausschlaggebend für die Entscheidungsfindung: Alle bisher gefahrenen WoMo`s hatten Luftheizungen und damit habe ich immer dieselben Erfahrungen gemacht:

  • geht die Heizung an, wird es für die Füße an den Luftaustritten schnell und angenehm warm - während der Rest des Körpers weiter fröstelt ...
  • nach gar nicht langer Zeit spürt auch der restliche Körper die wohlige aber staubtrockene Wärme ... jedenfalls der Teil, der "in" der warmen Blase sitzt ... der Rücken ist weiterhin kalt
  • werden Tür oder Fenster kurz geöffnet, ist fast alle Wärme erst einmal wieder schlagartig verschwunden
  • schaltet die Heizung endlich ab, weil das irgendwo angebrachte Thermostat in eigener Machtvollkommenheit entschieden hat, es sei jetzt warm genug, spürt man 2 Effekte: eine wohltuende Ruhe ohne das nervtötende Fauchen des Lüfters und weiterhin, daß es, gefühlt, bereits nach wenigen Sekunden "irgendwie nicht wirklich warm" ist. Die Füße werden es als erste registrieren und nach kürzester Zeit wird man den Regler höher drehen damit der "Laubbläser" endlich wieder anspringt ...

Die Entscheidung also nach diesen immer gleichen Erfahrungen: Der Wanderer bekommt eine Wasserheizung!

.. und die Kombination aus beiden Entscheidungen: Der Wanderer bekommt eine Diesel-Wasser-Heizung!

Um es aber schon an dieser Stelle zu sagen: Das ist eine folgenschwere Entscheidung! Eine Wasser-Heizung ist vom Aufbau ungleich komplizierter, aufwendiger und teurer als eine Luft-Heizung! Kein anderes Gedinge beim Bau des Wanderer habe ich so lange vor mir hergeschoben wie den Bau der Heizanlage! Keines hat mir so viele Bauschmerzen bereitet, weil es immer wieder neue Detailprobleme gab die gelöst werden mußten und zu keinem anderen Teilprojekt habe ich so wenig zusammenhängende Informationen erhalten wie zum Aufbau und zur Inbetriebnahme einer Wasser-Heizung ...
Wir schreiben jetzt bereits Oktober 2020 und der Wanderer darf bereits seit 2 Jahren offiziell unterwegs sein - damit immerhin fast 20.000 km und, um bei der Wahrheit zu bleiben: Ich mußte bereits etliche Male bitterlich frieren! Zuletzt in diesem Februar bei der Fahrt nach Marokko während der ersten 3 Tage bis zur Fähre in Genua. Während der Fahrt war es durch die Fahrerhausheizung ja noch angenehm und erträglich - die Abende im Aufbau aber bei Temperaturen im Koffer von 6 - 8° waren, hm, grenzwertig! Aber jetzt ist es endlich soweit und ich muß "nur" noch alles bauen ... nur noch ... immerhin ist ein konsistenter Plan bereits die halbe Miete...

Äh, noch ein kleines Zugeständnis zur Auswahl des Heizungssystems ... so`n winziges bißchen Luftheizung bekommt der Wanderer doch auch noch ... nämlich einen Wasser-Luft-Wärmetauscher, auch Booster genannt. Dazu später mehr.

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Diesel-Wasser-Heizung für den Wanderer

Nachdem die Entscheidung für eine Diesel-Wasser-Heizung gefallen ist, steht wieder einmal die Qual der Wahl mit weiterer, endloser Recherche an - welche genau soll`s denn jetzt bitte sein? Die Wahl fällt schließlich auf eine Webasto Thermo Pro 50 Eco mit einer Heizleistung von 5,0 kW.

Thermo Pro 50 Eco für den Wanderer

Bei der Recherche bin ich oft auf installierte Systeme mit 8 - 12 kW Leistung gestoßen. Verglichen damit, ist meine Wahl also ziemlich "schmalbrüstig" ausgefallen. Meine Überlegungen müssen noch den Praxistest bestehen, sind aber bis dahin wohl nachvollziehbar:

  • Es geht um die Beheizung EINES einzigen Raumes mit einem Volumen von 4,5 x 2,5 x 2,0 Metern, also ca. 22 m³! Brutto! Das entspricht der Größe einer winzigen Studentenbude und dafür sollte die gewählte Heizleistung von 5 kW mehr als ausreichend sein! Man stelle sich in einem kleinen Zimmer `mal einen Heizkörper/Heizstrahler/Radiator von 5,5 kW vor ... nach kürzester Zeit wären hier saunaähnliche Verhältnisse erreicht!
  • Innerhalb des Wohnraums sind 3 Heizkörper und zusätzlich einer im Bad. Die Wärmeleistungen betragen je ca. 600 W. Das sind in Summe fast 2,5 kW, also die Hälfte der Leistung der Heizung. Mit anderen Worten: Die 4 installierten Heizkörper sind überhaupt nicht imstande, die maximale Heiz-Leistung umzusetzen! Vergleichbare Fahrzeuge haben in der Größenordnung ähnliche Verhältnisse - daraus folgt, daß die mögliche Leistung der Heizung im normalen Betrieb -außer beim Anheizen- nie abgerufen wird. In anderen Fahrzeugen häufig eingebaute große Heizungen mit 8 - 12 kW laufen damit häufig in einem "ungesunden" Teillastbetrieb bzw. schalten sich in kurzen Intervallen Ein und Aus. Die Folge ist ein schnelles Verrußen der Heizung ....
  • Bei der Berechnung von Heizleistungen findet man -je nach Dämmung- Angaben von 30 – 60 W/m². Bei meinen 11 m² müßte ich nach der Theorie etwa 0,7 kW Heizleistung realisieren. Mit 5,5 kW der Heizung und 2,5 kW der Heizkörper bin ich also bereits deutlich auf der sicheren Seite.
  • Anmerkung: Die tatsächlich abgegebene Wärmeleistung liegt sicher deutlich über 2,5 kW! Grund dafür sind die aufgenommene Wärmeleistung des Heizwasser-Boilers sowie einige, bewußt nicht isolierte Rohrleitungen und anderen Installationen, die im Betrieb ebenfalls Wärme abgeben.

Das alles gehört jedoch zur schnöden Theorie... Die erschütternde Realität aber zeigt das Bild unten: Mich gruselt`s jetzt schon, wenn ich all die Kabel, Stecker und Schrauben sehe! Ein neuer Ikea Schrank, zu Hause zum ersten Mal ausgepackt, ist nichts dagegen! .. und das ist lediglich das Heizgerät! Von den ganzen Leitungen, Fittingen, Ventilen, Verteilern, Hähnen u.v.m. ist hier noch nichts zu sehen ...

Puzzle aus Einzelteilen der Heizung

Wie die ThermoPro in den gesamten Wärmekreis integriert ist, folgt in einem eigenen Kapitel.

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Wärmekreislauf im Wanderer

Die folgende Grafik zeigt das Prinzip des gesamten Wärmekreislauf`s im Wanderer. Auch hier werde ich nicht müde zu betonen, daß ich auch kein Heizungsbauer bin ... keinerlei Vorkenntnisse, keinerlei Erfahrungen, keinerlei handwerkliche Ausbildung habe! Es gilt also wie schon bei der Kfz-Technik, dem Kofferbau, dem Möbelbau, den Installations- und Elektroarbeiten: Recherchieren - lernen - machen! Aber, für all diejenigen, die das hier lesen und ihren Bau noch vor sich haben: Es geht! Auch ohne Inhaber einer Kfz-Werkstatt oder eines Installationsbetriebes zu sein ...

Der Wärmekreislauf des Wanderer besteht aus 2 hydraulisch vollständig getrennten Kreisläufen - dem Aufbau und dem Steyr. Damit ist der Eingriff in den Kühlkreislauf beim Steyr auf ein absolutes Minimum beschränkt und Störungen oder Probleme rund um die Heizung beeinflussen das Verhalten und die Sicherheit des Steyr in keiner Weise!

Die Kreisläufe sind lediglich thermisch über einen Plattenwärmetauscher gekoppelt und können damit Wärme untereinander austauschen. Das Warum & Wie der ganzen Konstruktion folgt weiter unten ...

Wärmekreislauf im Wanderer

Puh! Wer das Lesen solcher Pläne nicht gewohnt ist, bekommt an dieser Stelle wohl erst einmal Schnappatmung ... keine Sorge, die Details werden -wie gewohnt- noch in epischer und hoffentlich verständlicher Weise erklärt. Zuerst einmal zum Prinzip: Im linken Teil des Bildes ist der Wärmekreislauf im Aufbau dargestellt. Von einem Verteiler werden die einzelnen "Verbraucher", alle einzeln regelbar, wie Heizkörper, Badezimmer, Heißwasserboiler und Booster mit Heißwasser versorgt (roter Strang). Nach erfolgter Abgabe von Wärme läuft das Heizungswasser, jetzt deutlich kühler, über die blauen Stränge wieder zurück in der Verteiler. Ablauf, Ausgleichsgefäß, Befüllung, Entleerung und Entlüftungen schenken wir uns bei dieser ersten Übersicht erst einmal.
Nach dem Kugelhahn im Rücklauf folgt als nächste Komponente ein 3-Wege-Ventil (T-Bohrung, auch dazu später mehr). Mit diesem Ventil kann der Heizkreislauf auf die ThermoPro geleitet werden und alles rechts im Bild davon, können wir erst einmal vergessen. In der ThermoPro mit ihrer eigenen Umwälzpumpe wird das Wärmemittel erneut erhitzt und über den roten Strang wieder in den Kreislauf gepumpt. An dieser Stelle könnten wir tatsächlich aufhören und "fertig" sagen!

.. könnten, aber das 3-Wege-Ventil hat nicht umsonst so einen seltsamen Namen! Wenn also noch etwas Brainpower übrig ist, geht`s weiter: Das Dreiwegeventil kann auch den Strang mit der ThermoPro abkoppeln und den Rücklauf aus dem Heizungskreislauf auf die nächste Komponente, rechts der ThermoPro, leiten - einen Wärmetauscher. Dieser Wärmetauscher bekommt heißes Kühlerwasser vom Motor des Steyr` und überträgt die dabei aufgenommene Wärme auf den separaten Kreislauf des Aufbaus. Damit wird auch der Sinn der vor dem Wärmetauscher im blauen Rücklaufstrang sitzenden Pumpe nachvollziehbar: Wenn die Heizung über das 3-Wege-Ventil vom Strang abgekoppelt wird, fehlt damit auch eine Pumpe, die den ganzen Kreislauf im Aufbau in Gang hält! Im Wärmetauscher wird nämlich tatsächlich nur Wärme getauscht, nicht aber Kühlerflüssigkeit als Volumenstrom für den Aufbau! Um die Wärme also in den Aufbau transportieren zu können, bekommt dieser Nebenstrang eine eigene kleine Umwälzpumpe spendiert.

Der Sinn des Wärmetauschers: Bei längeren Fahretappen kann Abwärme, die der Steyrmotor kostenlos und reichlich zur Verfügung stellt, sinnvoll genutzt werden um Wärme in den Aufbau zu transportieren. Bei niedrigen Temperaturen kann der Aufbau also selbst bei ausgeschalteter Heizung mit Heißwasser versorgt werden. Bei sommerlichen Temperaturen können die Heizkreise abgestellt werden und übrig bleibt der Boiler im Aufbau, in dem dann heißes Nutzwasser zum Waschen, Duschen und Spülen produziert wird.

Um es noch ein wenig komplizierter zu machen, ist auch eine andere Richtung der Wärmeübertragung möglich: Nämlich vom Aufbau in den Motor des Steyr! ... aber dazu erst im nächsten Kapitel mehr.

Soweit das Prinzip des Wärmekreislaufes im Wanderer. Die Einzelheiten werden in den folgenden Kapiteln ausführlich erläutert.

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Wärmekreislauf im Steyr

Wärmekreislauf im SteyrAuch wenn das Übersichtsbild (ganz oben) des gesamten Wärmekreislaufs im Wanderer anderes vermuten läßt, ist der Teilkreislauf im Steyr deutlich einfacher zu überschauen als der im Aufbau! Das komplizierte Geflecht aus Kühler, Heizung im Fahrerhaus, Wärmeübertrager, Pumpen und Schlauchleitungen ist nur deshalb als vollständiges Schaubild dargestellt, um die Strömungsrichtungen im Steyr darzustellen und zu berücksichtigen. Die sind nämlich bei manchen Selbstausbauern nicht eindeutig bekannt und beschrieben und ich muß gestehen, daß ich auch lange Zeit ziemlich unsicher war, wo denn jetzt wirklich "kaltes" Wasser in den Motor geht, wo es als heißes Kühlwasser wieder herauskommt, wie der Thermostat die Fließrichtung ändert und was es mit den 3 Anschlüssen der Wasserpumpe auf sich hat...

Also, für Interessierte:
Start der Betrachtung ist hier in der Bildmitte die Wasserpumpe des Steyr. Diese pumpt das Kühlmittel waagerecht (rot, gestrichelt) in das untere Sammelrohr des Motorblocks. Am oberen Sammelrohr (rot, durchgehend) tritt die erwärmte Kühlerflüssigkeit wieder aus dem Motor und trifft auf den Thermostaten. Ist der Motor nach dem Start noch kalt, ist dieser Thermostat "geschlossen" und leitet die Kühlerflüssigkeit direkt wieder nach unten in die Wasserpumpe, wo sich der Kreislauf schließt. Das ist der sog. "kleine Kühlkreislauf". Es ist auch zu sehen, daß direkt nach der Wasserpumpe, unmittelbar am Eingang des Sammelrohres, ein Abgang (rot, durchgehend) für die Fahrerhausheizung und den Wärmetauscher abzweigt.

Das ist auch der Grund, warum die Fahrerhausheizung bereits nach wenigen Kilometern die erste Warmluft liefert und nicht erst nach einer halben Stunde Fahrt!
Das ist auch entscheidend für die Fließrichtung in diesem Teilnetz und den korrekten Einbau einer Zusatzpumpe!

Nur der Vollständigkeit halber: Wenn es einen "kleinen Kühlkreislauf" gibt, dann natürlich auch einen "großen Kühlkreislauf": Der ergibt sich, wenn der Motor während der Fahrt langsam seine Betriebstemperatur erreicht und die Kühlerflüssigkeit immer weiter aufheizt. Jetzt "öffnet" der Thermostat in Richtung des Fahrzeugkühlers. Immer weniger Kühlerflüssigkeit fließt auf direktem Weg nach unten, zurück zur Wasserpumpe, dafür immer mehr durch den Kühler des Fahrzeugs. Hier wird die Flüssigkeit durch den Fahrtwind und einen großen Lüfter gekühlt, verläßt den Kühler am unteren Ausgang und strömt dann durch den unteren Zufluß in die Wasserpumpe. Damit ist der große Kreislauf geschlossen.

Wärmekreislauf WärmetauscherUm diesen ganzen "Ballast" erleichtert, sieht mein Eingriff in den Kühlkreislauf des Steyr im kleinen Bild links schon deutlich übersichtlicher aus. Zu sehen ist auch, daß der Eingriff in den Kühlkreislauf beim Steyr auf ein absolutes Minimum beschränkt ist und Störungen oder Probleme rund um die Heizung des Aufbaus das Verhalten und die Sicherheit des Fahrzeuges in keiner Weise beeinflussen! Das zusätzliche Volumen an Kühlerflüssigkeit beträgt gerade `mal einen einzigen Liter. Bezogen auf den gesamten Kühlkreislauf des Steyr mit seinen fast 30 Litern also zu vernachlässigen. Da der Wärmetauscher zwei getrennte Strömungskreise hat, den winzigen Primärkreis, der mit dem Kühlkreislauf des Steyr verbunden ist und den hydraulisch davon getrennten Sekundärkreis des Aufbaus, können Störungen im Heizsystem des Aufbaus den Steyr nicht beeinträchtigen.

Also, nach so viel Theorie - warum dieser ganze Aufwand mit zwei getrennten Wärmekreisläufen?

Szenario 1: Es steht eine längere Fahretappe an. Der Motor des Steyr arbeitet und erzeugt dabei nebenbei jede Menge Wärme, die er wieder los werden muß. Ob über seinen Kühler und/oder die Fahrerhausheizung und/oder den Wärmetauscher, ist ihm dabei herzlich egal. Er muß gekühlt werden und das macht jetzt zu einem kleinen Teil der Wärmetauscher. Er übergibt diese Wärme an den Aufbau, wo sie sinnvoll genutzt werden kann - um den Aufbau während der Fahrt zu heizen und/oder um im Boiler auf Vorrat heißes Nutzwasser zu produzieren.
Bei dieser Übertragungsrichtung, also während der Fahrt, bei der die Aufbauheizung, die ThermoPro, ausgeschaltet ist, übernimmt die Zusatzpumpe im Aufbau (im Bild nicht zu sehen) die Umwälzung im Koffer. Bei anderen Selbstausbauern wird diese Pumpe oft vom Fahrerhaus ein- und ausgeschaltet - bei mir nicht. Ich habe mich bewußt dafür entschieden, diese Pumpe im Aufbau zu schalten! Zum einen habe ich damit eine Funktionskontrolle, zum anderen ist für die jeweils gewünschte Funktion sowieso eine entsprechende Steuerung der Ventile und Absperrungen im Aufbau erforderlich.

Szenario 2: Ich stehe mit dem Wanderer irgendwo in den Anden (hoffentlich läßt die Corona Pandemie das bald wieder zu) auf 4.000 Meter ... und es ist verdammt kalt draußen. Im Aufbau läuft artig die Heizung und sichert damit mein Überleben während der Motor des Steyr über Nacht auf knackige Minustemperaturen abgekühlt ist. Wenn ich nach dem Frühstück wieder losfahren will, tut`s dem Motor verdammt gut, wenn er nicht bei dieser Kälte gestartet wird, sondern schon vorher ein bischen "aufgetaut" wurde. Jetzt kommt wieder der Wärmetauscher ins Spiel. Wird er jetzt im Aufbau über das 3-Wege-Ventil zugeschaltet, läuft damit wohlige Wärme von der Aufbauheizung durch den Motorblock und erleichtert ihm damit den späteren Start auf`s angenehmste.
Bei dieser Übertragungsrichtung, also im Stand, während die Aufbauheizung, die ThermoPro, eingeschaltet ist, muß jetzt die Zusatzpumpe im primären Kreis des Wärmetauschers (im Bild sichtbar), ebenfalls eingeschaltet werden. Die Schaltung erfolgt im Aufbau und stellt sicher, daß über diese Pumpe eine ausreichende Umwälzung im stehenden Steyrmotor erfolgt.

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Wärmetauscher im Kühlwasserkreislauf des Steyr

Das war`s jetzt wirklich mit der schnöden Theorie - jetzt geht`s wieder ans Eingemachte ... also in die Praxis: Schritt 1, der Einbau des Wärmetauschers in den Kühlkreislauf des Steyr.

Dazu wird der Nebenkreis der Fahrerhausheizung mit T-Fittingen angezapft. Das Bild unten zeigt die T-Stücke und direkt daran 2 Kugelhähne um den neuen, weiteren Nebenkreis, den Wärmetauscher, auch wieder komplett vom Fahrzeug trennen zu können. Das obere T-Stück ist der Zugang zum Rücklauf der Fahrerhausheizung (grün-gelbe Markierung). Der Kühlwasserschlauch läuft dann nach rechts unten und geht zusammen mit dem Kühlerausgang von unten in die Wasserpumpe.

Unterhalb dieses Anschlusses sind das 2. T-Stück und der zugehörige Kugelhahn. Hier ist der Vorlauf der Fahrerhausheizung, deren Schlauch von rechts, direkt vom unteren Wassersammelrohr des Motors kommt und nach links, parallel mit dem Rücklauf nach schräg oben ins Fahrerhaus, zur Fahrerhausheizung, läuft. Dieser Vorlauf ist zugleich auch die Druckseite der Wasserpumpe des Steyr und bestimmt damit die Fließrichtung in den Kreisläufen.

Anschluß des Koffers an den Kühlkreislauf des Steyr

Vor- und Rücklauf dieses zusätzlichen, kleinen Kreislauf`s sind mit einem Plattenwärmetauscher verbunden, in dem die Motorwärme im Gegenstrom an den Heizkreislauf des Aufbaus -oder bei Bedarf auch umgekehrt (s.o.)- übertragen wird.

Plattenwärmetauscher für den Wanderer Anschlußschema des Wärmetauschers

Viele, viele Monate nach dem Entstehen des obersten Bildes mit den Anschlüssen an den Kühlkreislauf des Steyr und genauso vielen Kilometern im noch deutlich sichtbaren Wüstenstaub Marokkos, sind die nächsten Bilder (Nov. 2020) mit dem Anschluß des Wärmetauschers entstanden.

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der Wärmetauscher ist mit dem Steyr verbunden
Dieses Bild zeigt, wie der Primärkreis des Wärmetauschers mit dem Steyr verbunden ist. Die Ventile werden anschließend geöffnet und die Kühlerflüssigkeit kann den WT fluten. Durch die hier abgesenkte Position werden alle Lufteinschlüsse auf der Primärseite ausgespült. Erst bei Austritt von Flüssigkeit am Ventil wurde der Rücklauf-Schlauch endgültig aufgeschoben und mit einer Gelenkbolzenschelle gesichert.

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voll verschlauchter Wärmetauscher
Nach Entlüftung der Primärseite des Wärmetauschers wird er in seine endgültige Position gebracht und auch die Sekundärseite verschlaucht. Diese hat ein eigenes Entlüftungsventil (gerade noch hinter der Stoßdämpfer-Aufhängung zu erkennen) am höchsten Punkt der Verschlauchung.

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Umwälzpumpe im Primärkreis
Auf den beiden linken Bildern ist die Umwälzpumpe im Primärkreis hinter der Verschlauchung kaum zu erkennen - hier ein wenig deutlicher. Funktion der Pumpe siehe: Wärmekreislauf im Steyr

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fertig montierter Wärmetauscher im Wanderer Der fertig montierte Wärmetauscher im Wanderer: Links die beiden Absperrventile zum Kühlkreis des Steyr, rechts davon die etwas verdeckte Umwälzpumpe des Primärkreises. In der Bildmitte der voll verschlauchte und gekapselte Wärmetauscher. Nach rechts gehen dann die Schläuche des Sekundärkreises in den Aufbau - mit einem eigenen Entlüftungsventil (rechts neben dem oberen Anschlagpunkt des Stoßdämpfers) am höchsten Punkt der Verschlauchung um auch diesen Kreis entlüften zu können.
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