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Wie alles angefangen hat

Angefangen hatte bei mir alles schon als kleiner Junge. Bücher über die großen Entdecker und Pioniere unserer jüngeren Vergangenheit, allen voran dem Österreicher Hans Hass, einem der ersten Menschen überhaupt, der freitauchend -also ohne Gerät- Unterwasseraufnahmen einer bis dahin völlig unbekannten Welt machte. Hans Hass, den ich persönlich auf einer seiner Vortragsreisen kennen lernen durfte, hat mich mit seiner Begeisterung und Leidenschaft so sehr angesteckt, daß ich bereits 1970, als 16-jähriger, allein nach Griechenland geflogen bin und seitdem tauche. Nur 3 Jahre später, zu einer Zeit, als man Reisen noch nicht im Neckermannkatalog oder im Internet buchen konnte, machte ich in Kenya meine eigenen, ersten Unterwasserfotos und begegnete sogar dem Staatsgründer Kenyas, Jomo Kenyatta, bei den "10 great Years of Uhuru", den 10. Feiern zur Unabhängigkeit des Landes.
... dem französischen Commandanten Jacques-Yves Cousteau, dem Mitentwickler der heutigen, modernen Lungenautomaten (Atemregler, die dem Taucher seine Luft ständig unter dem Druck des umgebenden Wassers liefern), der mit seinem Forschungsschiff Calypso die Welt unter Wasser bereiste und dabei atemberaubende Filme drehte ...
... Vater und Sohn Piccard. Der Vater, Auguste, ein Pionier in der Stratosphärenforschung und Freund von Albert Einstein, der Sohn, Jacques, hat zusammen mit dem Amerikaner Don Walsh als erster Mensch im Marianengraben die tiefste Stelle in unseren Ozeanen erreicht ...

 

 

Jacques Piccard in der Bildmitte, im Vordergrund Don Walsh

... und nicht zuletzt Thor Heyerdal, der sich zusammen mit Freunden mit einem aus Balsaholz selbstgebauten Floß, der Kon Tiki, von der südamerikanischen Küste bis in die Südsee treiben ließ.

Weit über meine Jugend hinaus habe ich in meinen Träumen Thor Heyerdal auf dem Floß begleitet und bin dabei wie Hans Hass nur mit Maske, Flossen, Schnorchel und Kamera ins Meer getaucht um all die Wunder dieser Welt zu fotografieren ... 

Menschen wie diese waren meine Vorbilder und haben bei mir eines ausgelöst: Den tiefen Wunsch, diese Erde auf der wir alle leben, zu sehen, zu spüren, zu entdecken ...

Der größte Schritt zum Wanderer aber kam erst 2005, als ich mit meiner damaligen Partnerin für mehrere Wochen in einem gemieteten Wohnmobil im Westen der USA unterwegs war. 2009 folgten dann die entscheidenden nächsten Schritte. Diesmal war ich allein, wieder in einem gemieteten Wohnmobil, für mehrere Wochen in Skandinavien unterwegs. Ich wollte für mich wissen, ob ich diese Form des Reisens immer noch genießen kann, auch wenn ich allein bin ... auch, wenn vielleicht für viele Tage der Regen auf das Wagendach trommelt und der Himmel nicht mehr wirklich hell wird ... Die Antworten waren JA und noch einmal JA - Der Traum begann - Der Traum von einem extrem geländegängigen Fahrzeug mit dem ich auch abseits jeglicher Zivilisation für mehrere Wochen autark sein kann.
Bürstner Solano T615 2010 der nächste Schritt: Bis ich mit einem derartigen Fahrzeug auf Große Fahrt gehen kann, werden wohl noch einige Jahre vergehen. Bis dahin will ich die Zeit mit einem eigenen Wohnmobil überbrücken: Die Wahl fiel auf einen Bürstner Solano T615. Mit ihm entdeckte ich auf vielen Fahrten Europa vom äußersten Norden, dem Nordkap, bis zum tiefsten Süden Spaniens und Portugals.

Diese Erfahrungen zeigten mir aber auch die Grenzen eines Wohnmobils "von der Stange": Die krampfhaft auf 3,5 t zul. Gesamtgewicht abgespeckten Wagen überschreiten verdammt schnell -und vom Besitzer oft unbemerkt- die Grenze der Legalität wenn das Gewicht diese magische Grenze durch einen vollen Diesel- und Wassertank und 2 Insassen mit Gepäck überschreitet! Eine nasse Wiese wird mit so einem Wohnmobil zum Alptraum, auf dem die Räder bei der allerkleinsten Bodenwelle den Grip verlieren und nur noch auf der Stelle drehen. Jede zweite Fähre, sei es über die Weser in Deutschland oder die tausend Fjorde in Norwegen wird durch den Rampenwinkel bei der Auf- und Abfahrt zur Tortur, die fast immer das Heck des Wohnmobils krachend auf dem Boden aufsetzen läßt. Ein plötzlicher Wetterumschwung in Schottland oder Norwegen führt bei den völlig unzureichend isolierten Fahrzeugen zum Dauereinsatz der Heizung und schnell schwindet damit der Gasvorrat zum Kochen und Heizen ... und wer schon einmal mit einem derartigen Fahrzeug weit abseits von Campingplätzen irgendwo in der Natur gestanden hat, der weiß, wie schnell sein Stromvorrat zur Neige geht wenn die Solarpanels auf dem Dach bei Dauerregen keinen Strom mehr erzeugen ... der weiß, daß sein Wasservorrat und alles andere schon nach wenigen Tagen deutlich zum Sparen zwingt und das seine Cassettentoilette bereits nach 3 Tagen damit droht, über den Rand zu laufen ...

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Die (erste) "Pistenkuh", der Magirus, von Sabine und
Burkhard Koch, war Inspiration und zusammen mit dem McDee von Lothar & Marion eines der ersten beispielhaften Fahrzeuge auf meinem eigenen Weg zum Wanderer
Also, Geländegängigkeit und wesentlich größere Reichweite aller Ressourcen war gefragt und ganz langsam wuchsen aus den spinnerten Träumen von so einer "Eier-legenden-Wollmilchsau" konkrete Überlegungen.

Im November 2010 entstanden dann bei mir die ersten Zeichnungen und Pläne sowie ein Lastenheft (https://de.wikipedia.org/wiki/Lastenheft), in dem ich all meine Wünsche fixierte ... und es begann eine endlose Suche nach Informationen! Dank Internet konnte ich in der Folgezeit auch Menschen finden, die den gleichen Traum träumten oder ihn schon lebten! Es ist jedoch ein mühsames Puzzlespiel, tausende von Detailinformationen zu einer eigenen, individuellen Lösung zusammen zu stellen.

Ganz herzlichen Dank an all die interessanten, netten und hilfsbereiten Menschen die ich in den letzten Jahren kennenlernen durfte! Ich hoffe, daß ich mit der Dokumentation meines eigenen Ausbaus des Steyr zum Wanderer ein wenig den Menschen helfen kann, die irgendwann beginnen den gleichen Traum zu leben ...

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Die Entscheidung

In 2013 fiel dann endgültig die Entscheidung "Ich tu`s" und damit begann die Suche nach einem vernünftigen Basisfahrzeug ... und genau das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit! Neuwagen? Puh, viel zu teuer und (fast) völlig ungeeignet für das, was ich vorhabe. Jedem, der diese Entscheidung noch vor sich hat kann ich nur empfehlen, `mal die "Motorhaube" eines LKW der in den letzten 15 Jahren gebaut wurde, zu öffnen! Es zeigt sich das gleiche Bild wie bei jedem modernen PKW: Man sieht nur noch einen massiven "Block" vor sich in dem jeder Kubikzentimeter mit irgendwelchen Bauteilen vollgestopft ist. Selbstverständlichkeiten wie die Kontrolle oder das Nachspannen eines Keilriemens werden zu einem Alptraum weil man den Keilriemen nicht einmal mehr sehen, geschweige denn erreichen kann. Wer schon einmal versucht hat, bei seinem modernen PKW eine blöde Birne im Scheinwerfer selber zu wechseln, weiß wovon ich rede.
Der nächste Schwachpunkt: Moderne Fahrzeuge, sowohl PKW als auch LKW, sind heutzutage mit Elektronik vollgestopft und bis zum technisch machbaren optimiert. Das mag für europäische Landstraßen und Autobahnen oder amerikanische Highways in Ordnung sein. Hier gibt`s überall ein dichtes und verläßliches Servicenetz. In Afrika, Südamerika, hunderte von Kilometern von dieser Infrastruktur entfernt, sieht die Welt aber in jeder Hinsicht anders aus. Verweigert das Fahrzeug seinen Dienst weil irgendeiner von hunderten von Sensoren meldet, er hätte nasse Füße bekommen oder es sei kein "AdBlue" (https://de.wikipedia.org/wiki/AdBlue) mehr im Zusatztank, der wird spätestens jetzt arge Probleme bekommen. Selbst wenn in der nächsten Ortschaft eine LKW Werkstatt ist, bietet so ein Fahrzeug gerade `mal eine tolle Computerschnittstelle über die die Bordrechner dem Servicetechniker mitteilen wollen, was genau eigentlich das Problem ist. Hier jedoch, irgendwo im Hinterland, haben Werkstätten keinen genormten Laptop über den sie das Fahrzeug diagnostizieren können. Eine Dorfschmiede in Kasachstan kann zwar eine gebrochene Feder reparieren, nicht aber einen mit Rechnertechnik und Sensoren vollgestopften Wagen. Selbst ein toller, lichtstarker und hypermoderner LED Scheinwerfer wird hier zum Drama! Selbst im tiefsten Hindukusch würde man eine neue Birne für seinen Scheinwerfer bekommen, nicht aber Ersatz für seine LED`s ...

Also: Es wird ein "alter", zuverlässiger LKW ohne jegliche elektronische Steuerungstechnik. Nach langem Suchen und dem Lesen vieler, vieler Meinungen viel meine Wahl auf einen 30 Jahre "alten" Militär LKW des österreichischen Bundesheeres, einem Steyr 12M18. Neben zig verschiedenen Kriterien waren auch der durchschnittliche Verbrauch, seine Größe (deutlich kleiner als die deutschen Bundeswehr-MAN`s aber zugleich deutlich größer als die tollen Unimog`s mit ihrem extrem kurzen Radstand) und seine absolute Freiheit von irgendwelcher Steuerungselektronik entscheidend.

Nächster Schritt: Warten! Das österreichische Bundesheer stößt immer wieder `mal Kontingente an Steyr ab, die dann in Wien, im Dorotheum, versteigert werden. Ich hatte dazu Kontakt mit Fabian Heidtmann, einem deutschen Händler (http://www.expeditions-lkw.de/) aufgenommen und landete erst einmal auf einer Warteliste! Anders als bei PKW`s, die fast "immer" und "überall" in jeder gewünschten Version zu bekommen sind, ist der Markt für solche speziellen LKW`s doch recht überschaubar! Es hieß also warten bis in Österreich das nächste Kontingent zur Versteigerung ansteht ... wochenlang, monatelang ...

Wenige Tage vor der Abreise in die USA, kam dann völlig überraschend der Anruf! Wieder einige Tage später war ich unterwegs zu Fabian und viele, viele Stunden später saß ich in meinem Steyr 12M18 und hatte die 600 km zurück ins Ruhrgebiet vor mir.

.. und dann stand er bei mir auf dem Hof ... und mußte mehr als ein halbes Jahr bis zur Rückkehr aus den USA warten ...

Steyr 12M18 der einmal der Wanderer wird

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Bildnachweis

  • http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hans_Hass.jpg: License: Public Domain
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Jacques-Yves_Cousteau#mediaviewer/File:Cousteau.jpg: License: CC BY 3.0
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Piccard#mediaviewer/File:Bathyscaphe_Trieste_Piccard-Walsh.jpg: License: Public Domain
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Thor_Heyerdahl#mediaviewer/File:Thor_Heyerdahl.jpg: License: CC BY 3.0
  • vlcsnap-2013-01-01-08h44m58s162.jpg: www.Pistenkuh.de: mit freundlicher Genehmung von Burkhard Koch
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