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Farbe für den Koffer

.. ist vielleicht nicht absolut notwendig, sind die Wände doch von Haus aus mit einer guten Beschichtung versehen. Aber "wenn schon - denn schon!" Dagegen hat`s der Rahmen mit seinen Nietlöchern und den ganzen Schweißnähten, die nur mit Pinselstrichen mit Zink- oder Rostschutzfarbe überstrichen sind, deutlich nötiger! .. und bitter nötig hat`s dagegen später noch das Fahrerhaus!

.. und so zeigt sich das ganze Gespann aus Steyr und Koffer, also der Wanderer, in den ersten Strahlen der Frühlingssonne:

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Einmal im Jahr wird in der Tagesschau über die Vergabe der Grimmepreise in Marl berichtet und einmal im Jahr fragt sich die Nation auf`s Neue: Who the fuck is Marl? Or where? Ich bin in der glücklichen Lage, dieses Rätsel lösen zu können! Die Antwort ist ganz einfach: Hier! Bei mir!
Und nicht genug mit den Grimmepreisen. In diesem Jahr war sogar der amerikanische Verpackungskünstler Christo und seine Frau Jean-Claude im Rahmen der Grimme-Preisverleihung in Marl und auch bei mir (\Zwinkern.png). Dabei haben sie unter großer Medienpräsens ihr neuestes Projekt "Wanderer in Tüll" realisiert! Hier ein erstes Bild der neuesten Performance:

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((äh, die Aussage mit Christo ist natürlich <post-faktisch> :-) der Rest stimmt ...))

In der schönen Frühlingssonne und damit beim Lackieren noch weitgehend ohne Chitin-gepanzerte, flugfähige Gliederfüßler ist das dann das Ergebnis gewesen:

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Wieder `mal ein paar Sätze zu dem wie & warum:

  1. im Rahmen meines Projektes habe ich zum 1. Mal im Leben eine Spritzpistole in der Hand gehabt! Bei der Restaurierung des Fahrwerks habe ich dann erste Erfahrungen machen können ... und nach einigen Versuchen konnte ich mit meinem Ergebnis durchaus zufrieden sein und die Entscheidung viel, alles, also auch Koffer und Fahrerhaus selbst zu spritzen
  2. in einem Forum habe ich `mal den Satz gelesen (und in ähnlicher Form mehrfach wieder gefunden): "Die unsinnigste Ausgabe beim Bau meines Fahrzeugs war, tausende von EURO`s für die Lackierung auszugeben"... Das spricht für sich! Allein für das Fahrerhaus wären in einem Lackierbetrieb ca. 2.500 € fällig!
  3. meine Arbeit ist -aus der Nähe betrachtet- selbstverständlich nicht mit der Arbeit eines Profis zu vergleichen! Mir fehlen Ausbildung, Erfahrung, eine Staub- und Insektenfreie Halle, ja sogar Kompressor und druckluftbetriebene Spritzpistole (nur beim Fahrwerk hatte ich das zur Verfügung)! Alle Lackierarbeiten sind mit einer elektrisch betriebenen Pistole durchgeführt worden!
  4. selbst die Wahl meines Lackes läßt jedem Profi einen Schauder über den Rücken laufen: Alles ist mit einem Einkomponenten-Lack gemacht der in Fachkreisen eher als "Grundierung und Rostschutz" gehandelt wird (siehe Linkliste weiter unten): Brantho Korrux 3 in 1
  5. dafür ist Brantho in der Anwendung erheblich einfacher als 2-Komponenten-Lacke, erheblich ungiftiger und jederzeit mit sich selbst überlackierbar
  6. die Überlackierbarkeit ist ein wichtiger Grund: Alle Geländefahrzeuge, die kein Schaulaufen in Deutschland machen sondern sich wirklich "abseits" bewegen, bekommen nach kurzer Zeit mächtige und häßliche Kratzer durch Dornen, Äste und andere Rempeleien. Diese Kratzer zu Schließen, ist mit Brantho jederzeit und ohne aufwendige Vorarbeiten machbar
  7. Brantho ist von sich aus "seidenmatt" und bedarf keiner weiteren Arbeitsschritte den Glanz -der bei so einem Fahrzeug eher unerwünscht ist- weg zu bekommen
  8. Ein weiterer Grund für die Wahl von Brantho sind die mechanischen Eigenschaften dieser Farbe: Brantho ist "gummiartig zäh", wie z.B. ein Reifen: Kratzt man über einen Reifen, ist der Kratzer -im Gegensatz zur harten Oberfläche einer Lackierung- schnell zu sehen - sicher ein Nachteil ... aber: Ist der Kratzer oder Einschlag "schärfer", hinterläßt er auf Gummi immer noch die sichtbare Spur, Oberfläche und Struktur sind jedoch in keiner Weise beschädigt! Ähnlich verhält sich Brantho: Spuren sind zwar schneller als bei harten Lacken zu sehen, aber sie zerstören nicht die Oberfläche.
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Linkliste Lackierung

Teil Quelle Kommentar Preis
Wagner Sprühgerät geliehen robust, zuverlässig - absolut ausreichend für das Projekt
Sprühaufsatz extra-brilliant www.conrad.de absolut ausreichend für das Projekt 24,95 €
Brantho Korrux "3 in 1" 5 Liter www.tbs-aachen.de RAL-Ton: 444 Chassis-IC und RAL-Ton: 1015 Hellelfenbein je 109,00
Branths Spezial Verdünnung 750 ml www.tbs-aachen.de je 13,95 €
MIPA E90 2K Epoxyspachtel 1,5kg inkl. Härter http://www.harzspezialisten.de/ 30,95 €
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der nächste Streich - das Fahrerhaus bekommt seine Farbe

Aus der Nähe betrachtet zeigt sich das Fahrerhaus nur noch als häßlicher Flickenteppich aus stumpfer, NATO-oliv-grüner, verblichener Farbe, Flecken aus Rostschutz und gespachtelten Flächen

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Christo`s zweiter Besuch bei mir zeigt Wirkung ... Zwinkern

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Ach, auch dazu noch eine Bemerkung: Allein die Schaffung dieses Kunstwerks aus Planen & Folien bedeutet für einen Einzelkämpfer ohne eine gut ausgerüstete Werkstatt in der kein Wind fetzt, kein Regen fällt, keine Insekten oder Samen von Bäumen herumschwirren und zudem `ne Flatrate aus selbsthaftender Adhäsionsfolie hat, EINEN ganzen Arbeitstag an Vorbereitung! Allein weit über eine Stunde kostet es, die große Frontscheibe innen und außen zu schützen.
Dabei habe ich auch zu einem weiteren Trick gegriffen: Damit die frische Farbe nicht sichtbar an der Einfassungsdichtung der Scheibe einen häßlichen Rand bildet, habe ich die Scheibendichtung angehoben und unter das Gummi ein 5 mm dickes Seil eingezogen. Damit steht das Gummi ein Stück weit vom Blech ab und der Sprühnebel gelangt so ein Stück weit unter die Dichtung!

.. und DAS ist der Lohn der Mühe:

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Der letzte Streich: Dachluke, Kühlergrill und Türen

Der Mai 2017 beginnt erst einmal mit Regen, böigem Wind und Dauergrau, also wieder ein paar Tage Wartezeit bei denen die "Löcher" im Fahrerhaus von innen mit alten Bettlaken zugehängt sind, damit nicht die netten Piepmätze ausgerechnet dort einen neuen Brutplatz suchen. Etliche "Einschläge" aus den letzten Tagen vor dem Lackieren hatten nämlich deutlich die ungebetenen Besuche angezeigt ...
Zudem habe ich überall - passend zum "Richtfest"- schöne, im Wind herrlich flatternde Partygirlanden aufgehängt. Bis jetzt hat`s funktioniert und die Nachfahren der Dinosaurier von weiteren Besuchen abgehalten!

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6. Mai, alle Vorbereitungen sind abgeschlossen, Dachluke, Kühlergrill und Türen sind die letzten Arbeiten beim Lackieren:

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Der Lack ist zwar bereits nach 1/2 h "berühr-trocken" und am nächsten Tag "trocken", aber bei weitem noch nicht ausgehärtet. Um zu vermeiden das andere lackierte Teile wie die Scharniere sich beim Anschrauben auch dauerhaft, Lack-mit-Lack, verbinden, müssen die Türen jetzt noch einige Tage "reifen" und weiter hier abhängen!

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Tür am Haken

Nach Ende der "Reifezeit" kommen die Türen an den Haken und werden auf die richtige Höhe gehoben um in die Scharniermulden eingesetzt werden zu können:

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Mit Hilfe 2-er ausfahrbarer Stützen hebe und senke ich die Türen in den nur handfest angezogenen Scharnieren um das richtige Spaltmaß sowie gängiges Ein- und Ausfallen in den Schloßhaken zu gewährleisten

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... ich habe fertig!

Das neue Gewand für den Wanderer ist fertig. Dachluke, Fenster, Türen, Kühlergrill, Griffe und Scheibenwischer sind wieder an ihren angestammten Platz. Nach dem Face-Lifting sieht man dem Steyr sein betuchtes Alter von 30 Jahren absolut nicht mehr an - zumindest nicht aus 5 Metern Entfernung. Bei näherer Betrachtung zeugen allerdings immer noch einige Macken & Beulen von seiner bewegten Vergangenheit ...

Was zum perfekten Styling noch fehlt, sind einige Aufkleber, die irgendwann in der nächsten Zeit noch folgen ... na ja, und viele, viele Anbauteile ...

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